Abschwitzdecke fürs Pferd: Welche brauchst du wirklich? (Ratgeber 2026)

Kurz erklärt: Was ist eine Abschwitzdecke?

Eine Abschwitzdecke ist eine atmungsaktive Pferdedecke, die Feuchtigkeit von Haut und Fell nach außen transportiert, damit das Pferd nach dem Training trocknet, ohne auszukühlen. Anders als eine Stalldecke wärmt sie nicht aktiv — sie reguliert den Feuchtigkeitshaushalt. Eingesetzt wird sie typisch in den 20 bis 60 Minuten nach Belastung oder beim Transport bei kühleren Temperaturen.

Wenn dein Pferd nach dem Reiten dampft, die Flanken nass glänzen oder du das Fell durchwischst und die Hand feucht zurückkommt — dann gehört eine Abschwitzdecke drauf. Klingt einfach. Wird in der Praxis aber falsch gemacht, weil drei Produktkategorien — Fleece, Funktionsfaser und keramikbeschichtete Decken wie die Back on Track Welltex® — auf den ersten Blick gleich aussehen, aber sehr unterschiedlich funktionieren.

In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wann welche Abschwitzdecke wirklich sinnvoll ist, wie lange dein Pferd abgedeckt bleiben sollte und welche Fehler den Trocknungseffekt zunichtemachen.

Wann brauchst du überhaupt eine Abschwitzdecke?

Eine Abschwitzdecke ist nicht für jedes Pferd in jeder Situation Pflicht — aber in diesen vier Fällen ist sie der Standard:

  1. Nach dem Training, wenn das Fell sichtbar feucht ist und die Außentemperatur unter 15 °C liegt. Ein nasses Pferd in kalter Luft kühlt schnell aus — vor allem über Rücken und Nierenpartie.
  2. Im geschorenen Zustand, weil dem Pferd das natürliche Wärme-Polster fehlt. Geschorene Pferde brauchen nach Belastung fast immer eine Decke — oft sogar gepolsterter als ungeschorene.
  3. Beim Transport nach dem Training, etwa nach Turnieren oder Lehrgängen. Der Hänger zieht, das Pferd steht still, und nasse Haut + Fahrtwind ist eine der häufigsten Ursachen für Muskelverspannungen.
  4. Beim Auszäumen im Winter, wenn das Pferd zwar nicht stark geschwitzt hat, aber auf dem Putzplatz oder in der Box langsam zur Ruhe kommen soll.

Wann ist eine Abschwitzdecke nicht nötig? An warmen Sommertagen über 20 °C, wenn das Pferd nur leicht aktiv war und ohnehin trocken zur Box zurückkommt. Decken nur weil es sich richtig anfühlt — bringt nichts und kann sogar zu Hitzestau führen.

Fleece, Funktionsfaser oder Keramik — die drei Typen im Vergleich

Abschwitzdecken werden gerne in einen Topf geworfen, aber technisch sind das drei unterschiedliche Produktkategorien mit verschiedenen Einsatzbereichen.

Fleece-Abschwitzdecke

Die klassische Variante. Fleece ist günstig, robust und nimmt Feuchtigkeit auf. Der Haken: Fleece transportiert Feuchtigkeit nicht aktiv nach außen — es saugt sie auf. Bei stark schwitzenden Pferden ist die Decke nach 20 Minuten oft selbst nass und gibt die Feuchtigkeit nicht mehr ab. Vorteil: Sehr alltagstauglich, leicht zu waschen, gute Wahl als zweite oder dritte Decke im Sattelschrank.

Funktionsfaser-Abschwitzdecke

Decken aus synthetischen Hochleistungsfasern (oft als „Cooler" verkauft) transportieren Feuchtigkeit über Kapillarwirkung nach außen. Sie trocknen das Pferd schneller als Fleece und bleiben dabei selbst halbwegs trocken. Vorteil: Schneller Trocknungseffekt. Nachteil: Funktionsfasern brauchen Bewegung oder Luftzug — bei einem reglos stehenden Pferd in einer windstillen Halle ist der Vorteil gegenüber Fleece kleiner als beworben.

Keramikbeschichtete Decken (Welltex®)

Back on Track verarbeitet Keramikpartikel direkt in die Stoffstruktur. Die Idee: Die vom Pferdekörper abgegebene Wärme wird als langwelliges Infrarot reflektiert und dringt in oberflächliche Muskel- und Bindegewebsschichten ein. Das Ergebnis ist ein passiver Wärmeeffekt, der lokale Durchblutung unterstützen soll. Studien (u.a. eine offene Anwendungsbeobachtung an der Universität Helsinki) und Praxiserfahrung aus dem Reha-Bereich zeigen Hinweise auf reduzierte Verspannungen und schnellere Regeneration nach Belastung. Vorteil: Kombiniert Abschwitzen mit Regenerationsunterstützung. Nachteil: Höherer Preis (ca. 130–230 €) und kein Allzweck-Cooler für leichtes Schwitzen.

Vergleichstabelle

Eigenschaft Fleece Funktionsfaser Welltex® (Back on Track)
Feuchtigkeitstransport Saugend Aktiv kapillar Kapillar + Wärmewirkung
Wärmewirkung Passiv (Isolation) Gering Aktiv über Infrarot
Ideal für Alltag, leichtes Training Sportliches Training, Transport Regeneration nach harter Arbeit, Reha, ältere Pferde
Trocknet selbst Langsam Schnell Schnell
Preisspanne 30–90 € 80–150 € 130–230 €

Wie lange sollte ein Pferd abgedeckt bleiben?

Faustregel: Solange das Fell sich nicht trocken und kühl anfühlt — meist 30 bis 60 Minuten nach Trainingsende. In der Praxis prüfst du das so:

  • Hand unter die Decke an Hals und Schulter legen. Fühlt sich die Haut warm und feucht an, bleibt die Decke drauf.
  • Fühlt sich die Haut kühl und leicht klamm an, ist das Pferd unterkühlt — Decke wechseln oder ergänzen.
  • Fühlt sich die Haut warm und trocken an, ist das Pferd fertig abgeschwitzt.

Häufiger Fehler: Decke nach 10 Minuten wieder runter, weil das Fell „oben" schon trocken aussieht. Die Feuchtigkeit hat dann nur die Decke erreicht — die Haut darunter ist noch nass und kühlt sofort aus, sobald die Decke weg ist.

Welche Größe passt? — Rückenlänge richtig messen

Die Größenangabe bei Pferdedecken in Deutschland richtet sich nach der Rückenlänge in Zentimetern, gemessen vom Widerrist bis zum Schweifansatz. Praktisch:

  • Großpony / kleines Pferd: 115–125 cm
  • Warmblut Stockmaß 165 cm: 135 cm
  • Warmblut Stockmaß 170 cm: 140–145 cm
  • Großes Warmblut / Friese: 145–155 cm

Im Zweifel lieber eine Nummer größer als zu klein. Eine zu kurze Decke scheuert am Widerrist und an der Schulter — beides Stellen, an denen Druckstellen besonders schmerzhaft werden.

Häufige Fehler beim Abschwitzen — und wie du sie vermeidest

  • Zu dicke Decke bei mildem Wetter. Eine Welltex® bei 18 °C und leichter Bodenarbeit ist Overkill. Hitzestau ist real — beobachte, ob dein Pferd unter der Decke wieder zu schwitzen anfängt.
  • Decke direkt auf nassem Sattelbereich. Vorher mit einem trockenen Handtuch den Sattelabdruck abreiben — sonst staut sich Feuchtigkeit punktuell.
  • Decke nicht regelmäßig waschen. Schweiß + Schmutz im Stoff blockieren die Kapillarwirkung. Funktionelle Abschwitzdecken brauchen alle 4–6 Wochen eine Wäsche bei 30 °C, ohne Weichspüler (Weichspüler verklebt die Faserzwischenräume).
  • Decke nass im Schrank verstauen. Schimmel und Geruch — danach trocknet sie nie wieder zuverlässig.

Welche Abschwitzdecke ist die richtige für dein Pferd?

Kurze Entscheidungshilfe für die Praxis:

  • Freizeitreiter, milde Schwitzmenge, knappes Budget: Klassische Fleece-Abschwitzdecke 80–250 g.
  • Turnierreiter, regelmäßiges intensives Training: Funktionsfaser-Cooler — schneller Trocknungseffekt, transportfest.
  • Älteres Pferd, Reha-Phase, geschorenes Pferd, häufige Verspannungen: Back on Track Welltex® Abschwitzdecke. Der Wärme-Reflexionseffekt unterstützt Regeneration und reduziert das Risiko von Muskelverspannungen nach harter Arbeit.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange sollte ein Pferd nach dem Reiten eine Abschwitzdecke tragen?

30 bis 60 Minuten — bis sich die Haut unter der Decke warm und trocken anfühlt. Die Außenseite der Decke kann dabei klamm wirken; entscheidend ist immer die Haut, nicht das Fell.

Was ist der Unterschied zwischen Fleece- und Funktionsfaser-Abschwitzdecke?

Fleece saugt Feuchtigkeit auf und speichert sie im Material. Funktionsfaser transportiert die Feuchtigkeit aktiv durch Kapillarwirkung nach außen. Funktionsfaser trocknet das Pferd schneller, Fleece ist günstiger und robuster im Alltag.

Was macht die Back on Track Welltex® Abschwitzdecke besonders?

Die in den Stoff eingearbeiteten Keramikpartikel reflektieren die Körperwärme des Pferdes als langwellige Infrarotstrahlung zurück in oberflächliche Gewebeschichten. Dadurch wird die lokale Durchblutung unterstützt, was zur schnelleren Regeneration nach Belastung beitragen kann. Sie kombiniert klassisches Abschwitzen mit Regenerationsfunktion.

Braucht ein ungeschorenes Pferd im Winter eine Abschwitzdecke?

Ja — auch dichtes Winterfell hält Feuchtigkeit lange. Ein durchgeschwitztes Winterfell kühlt bei Minusgraden besonders schnell aus. Eine atmungsaktive Abschwitzdecke beschleunigt das Trocknen und schützt Rücken und Nieren vor Auskühlung.

Kann man eine Abschwitzdecke auch beim Transport nutzen?

Ja, das ist sogar eine der häufigsten Einsatzsituationen. Nach einem Turnier ist das Pferd oft noch warm vom Aufwärmen oder von der Prüfung. Eine Abschwitzdecke im Hänger schützt vor Zugluft und Auskühlung während der Heimfahrt.

Wie wasche ich eine Abschwitzdecke richtig?

30 °C im Schonwaschgang, ohne Weichspüler. Spezielles Pferdedecken-Waschmittel oder mildes Feinwaschmittel. Weichspüler verklebt die Kapillarstruktur funktioneller Decken und macht sie unbrauchbar. Nach dem Waschen am besten luftig trocknen, nicht in den Trockner.

Fazit

Die richtige Abschwitzdecke ist keine Frage des höchsten Preises, sondern der passenden Funktion zum Einsatzzweck. Für gelegentliches Abschwitzen reicht ein hochwertiges Fleece. Für sportliche Reiter und Transport sind Funktionsfaser-Cooler die effizienteste Wahl. Wer regelmäßig hart trainiert, ein älteres oder rekonvaleszentes Pferd hat, profitiert vom Wärmeeffekt einer Welltex®-Decke von Back on Track — der zusätzliche Regenerationsbenefit zahlt sich über Monate aus.

Im Zweifel gilt: lieber eine atmungsaktive Decke zu viel im Schrank als ein ausgekühlter Rücken nach dem Training.

Stefan Schlachtenrodt ist Pferdefachwirt, KPA und DIPO-geprüfter Pferdephysiotherapeut. Mit Reitsport-NRW in Schwerte betreut er Reiter und Pferde aus dem gesamten Ruhrgebiet.