Was sind Stallgamaschen — und was unterscheidet sie von Reitgamaschen?
Stallgamaschen sind weiche, gepolsterte Beinbandagen, die das Pferd in der Box, im Paddock oder während der Stehzeit nach dem Training trägt. Sie schützen die Beine vor Schlägen, unterstützen die Regeneration und werden — anders als Reitgamaschen — gezielt für die Ruhephase getragen.
Reitgamaschen sind Sportartikel: harter Schalenschutz, eng anliegend, für die Belastung beim Reiten gemacht. Stallgamaschen funktionieren genau umgekehrt — weiches Innenmaterial, lockerer Sitz, optimiert für lange Tragezeiten ohne Druckstellen. Das Ziel ist nicht Schutz gegen Aufprall im Galopp, sondern Wärme, Polsterung und in der Premiumklasse: gezielte Wärmewirkung über Keramikbeschichtung.
Viele Reiter benutzen die beiden Begriffe synonym. Das führt zu typischen Anfängerfehlern — etwa Reitgamaschen über Nacht in der Box zu lassen (ergibt Druckstellen und Stauungen) oder Stallgamaschen ins Training mitzunehmen (zu weich, kein ausreichender Schutz). In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wann Stallgamaschen tatsächlich Sinn ergeben, was Modelle wie die Back on Track Welltex® Stallgamaschen anders machen — und wie du das passende Paar für dein Pferd findest.
Wann sind Stallgamaschen sinnvoll?
Stallgamaschen sind nicht für jedes Pferd Standardausrüstung. In diesen Situationen profitieren Pferde aber messbar:
- Nach intensivem Training oder Turniertagen — Wärme und sanfter Druck unterstützen den Abtransport von Stoffwechselprodukten aus Sehnen und Bändern. Praktisch heißt das: Beine sind morgens weniger angelaufen.
- Bei älteren Pferden mit beginnenden Gelenkproblemen — Die kontinuierliche Wärme an Karpal- und Sprunggelenk wird von vielen Reitern und Physiotherapeuten als beweglichkeits-erhaltend beschrieben.
- In der Rehabilitation nach Sehnenverletzungen — In Abstimmung mit dem Tierarzt können Welltex-Stallgamaschen Teil der Nachsorge sein. Die passive Infrarotwirkung unterstützt die Durchblutung im Sehnengewebe.
- Bei Pferden, die zu Angelaufenheit neigen — Stehzeiten in der Box ohne Bewegung führen bei manchen Pferden zu Lymphstauungen. Stallgamaschen halten die Mikrozirkulation aktiver.
- Beim Transport — Anstelle klassischer Transportgamaschen, weil sie weniger einschnüren und auch über mehrere Stunden bequem getragen werden können.
Wann sind Stallgamaschen nicht nötig? Ein junges, gesundes Pferd mit guter Beinqualität, das täglich auf die Weide kommt, braucht keine Stallgamaschen als Routine. Übermäßiger Einsatz kann sogar kontraproduktiv sein — die Beine sollen ihre natürliche Pumpfunktion durch Bewegung behalten.
Wie funktionieren Back on Track Stallgamaschen mit Welltex®?
Die meistgesuchte Variante in Deutschland sind die Back on Track Welltex® Stallgamaschen. Sie unterscheiden sich von einfachen Fleece-Stallgamaschen in einem entscheidenden Punkt: dem Material selbst.
Das Welltex®-Prinzip
In den Stoff sind feinste Keramikpartikel eingearbeitet. Die vom Pferdebein ausgehende Körperwärme wird von diesen Partikeln als langwellige Infrarotstrahlung (5–20 µm) reflektiert. Diese Wellenlänge dringt einige Millimeter ins darunterliegende Gewebe ein und kann dort die lokale Durchblutung unterstützen. Das Pferd erzeugt also die Wärme selbst — die Decke „spiegelt" sie zurück.
Wichtig zur Einordnung: Welltex® ist keine aktive Wärmequelle wie ein elektrisch beheiztes Gerät. Die Wirkung baut sich erst nach 20–30 Minuten Tragezeit auf und ist am deutlichsten bei längeren Trageintervallen (4–12 Stunden Stehzeit). Das ist auch der Grund, warum Stallgamaschen — und nicht etwa kurze Reitgamaschen — die ideale Anwendungsform sind.
Was Studien und Praxis sagen
Eine offene Anwendungsbeobachtung an der Universität Helsinki untersuchte die thermografische Reaktion auf Welltex-Material und zeigte messbare Erhöhungen der Oberflächentemperatur unter den Decken. Daraus lassen sich noch keine zwingenden Heilungsaussagen ableiten — aber die Praxisrückmeldungen aus der Reha-Arbeit (geringere Schwellungen, schnellere Rückkehr zu Bewegungsfreude) sind über fast 20 Jahre konsistent.
Vergleich: Stallgamaschen vs. Reitgamaschen vs. Bandagen
| Eigenschaft | Stallgamasche | Reitgamasche | Bandage |
|---|---|---|---|
| Einsatzzeitpunkt | Stehzeit, Stall, Paddock | Während des Reitens | Reiten oder Stall (je nach Art) |
| Material | Weich, Innenpolsterung | Harte Schale + Polster | Elastisches Band |
| Tragedauer | 4–12 Stunden | 30–90 Minuten | 30 Minuten bis 4 Stunden |
| Schutz gegen Schläge | Gering | Hoch | Mittel |
| Wärmewirkung | Hoch (v.a. mit Welltex) | Gering | Mittel |
| Risiko Druckstellen | Niedrig bei korrektem Sitz | Mittel | Hoch bei falscher Wickelung |
Wie wählst du die richtige Größe?
Stallgamaschen werden meist in den Größen S, M, L und XL angeboten. Die Größe richtet sich nach dem Umfang am Röhrbein, gemessen mittig zwischen Knie/Sprunggelenk und Fessel:
- S: bis 18 cm Umfang — Pony, kleines Pferd, Vorderbein bei zartem Warmblut
- M: 18–22 cm — Standard Warmblut Vorderbein
- L: 22–25 cm — Großes Warmblut, Hinterbein bei mittleren Pferden
- XL: ab 25 cm — Großpferd, Kaltblut, Hinterbeine kräftiger Warmblüter
Tipp aus der Praxis: Vordere und hintere Beine haben oft unterschiedliche Umfänge. Viele Pferde brauchen vorne M und hinten L. Notfalls einzeln messen, statt blind das Set zu kaufen.
Wie lange darf ein Pferd Stallgamaschen tragen?
Faustregel: maximal 12 Stunden am Stück, danach mindestens 4 Stunden Pause. Lange durchgängige Tragezeiten ohne Pause können den natürlichen Lymphfluss behindern und das Bein dauerhaft schwellen lassen, sobald die Gamaschen wieder abgenommen werden.
Typisches Einsatzschema in der Praxis:
- Direkt nach dem Training abnehmen, kalt abspritzen, abtrocknen — dann Stallgamaschen anlegen für 4–8 Stunden bis zum nächsten Abendcheck.
- Über Nacht: möglich, wenn das Pferd nicht zu Schwitzen unter dem Material neigt. Sonst lieber bis 22 Uhr und morgens wieder neu anlegen.
- Während intensiver Reha-Phasen: nach Tierarztanweisung.
Welche Fehler solltest du vermeiden?
- Zu eng anlegen. Eine Stallgamasche soll anliegen, nicht einschnüren. Test: ein Finger sollte zwischen Bein und Gamasche passen.
- Schmutziges Bein. Sand und Lehm zwischen Bein und Innenfutter reibt — immer trockenes, sauberes Bein vorher.
- Verschmutzte Gamaschen wieder anlegen. Innenseite regelmäßig prüfen. Welltex-Material verträgt Maschinenwäsche bei 30 °C ohne Weichspüler.
- Klett über dem Sehnenstrang schließen. Klettverschluss gehört nach außen oder seitlich, nicht direkt über dem Sehnenkamm.
- Bei akutem Bein-Geschehen ohne Tierarzt einsetzen. Bei heißer, geschwollener Stelle erst die Ursache klären. Wärme auf eine akute Entzündung ist falsch.
Stallgamaschen vorne und hinten — gibt es Unterschiede?
Ja. Vorderbein-Gamaschen sind meist gleichmäßig zylindrisch. Hinterbein-Gamaschen sind oft länger geschnitten, um das Sprunggelenk besser zu umschließen — das Gelenk profitiert besonders von der Welltex-Wirkung, weil viele ältere Pferde dort Stauungen entwickeln. Viele Hersteller bieten beide Varianten als Set, manche nur Vorderbein-Versionen. Auf der Produktseite immer prüfen, ob Vorder- oder Hinterbein gemeint ist.
Häufig gestellte Fragen
Wofür sind Stallgamaschen gut?
Stallgamaschen schützen Pferdebeine während der Stehzeiten (Stall, Paddock, Transport) vor leichten Stößen und unterstützen — je nach Material — die Regeneration und Durchblutung. Modelle mit Welltex-Keramikbeschichtung reflektieren die Körperwärme zurück ins Bein und werden bei älteren Pferden, in der Rehabilitation und nach intensivem Training eingesetzt.
Wie lange darf ein Pferd Stallgamaschen tragen?
Maximal 12 Stunden am Stück, danach mindestens 4 Stunden Pause. Tagsüber 4–8 Stunden ist ein häufiges Einsatzschema. Bei akuten Verletzungen immer in Abstimmung mit dem Tierarzt.
Was ist der Unterschied zwischen Stallgamaschen und Reitgamaschen?
Stallgamaschen sind weich, gepolstert und für lange Tragezeiten in der Box gemacht. Reitgamaschen haben eine harte Schutzschale und werden während des Trainings für 30–90 Minuten getragen. Beides sind unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Einsatzzwecken — nicht austauschbar.
Was bringt die Welltex-Keramikbeschichtung in Stallgamaschen?
Die in den Stoff eingearbeiteten Keramikpartikel reflektieren die Körperwärme des Pferdes als langwellige Infrarotstrahlung. Diese dringt einige Millimeter ins darunterliegende Gewebe ein und kann die lokale Durchblutung unterstützen. Praktisch berichten Reiter und Physiotherapeuten von weniger angelaufenen Beinen und schnellerer Regeneration nach Belastung.
Welche Größe Stallgamaschen brauche ich für mein Warmblut?
Standard-Warmblut-Vorderbein: Größe M (Röhrbein-Umfang 18–22 cm). Hinterbein häufig L. Größere Pferde brauchen oft hinten XL. Im Zweifel einzeln messen, da viele Pferde unterschiedliche Größen vorne und hinten brauchen.
Kann man Back on Track Stallgamaschen über Nacht anlassen?
Bei den meisten Pferden ja, wenn sie unter den Gamaschen nicht schwitzen. Maximaltragedauer 12 Stunden, danach Pause. Bei sehr warmen Sommertemperaturen oder in dick eingestreuten Boxen besser eine kürzere Tragezeit wählen.
Fazit
Stallgamaschen sind eines der wirkungsvollsten Hilfsmittel in der Pferdegesundheits-Vorsorge, wenn sie zum richtigen Zweck eingesetzt werden. Für junge, gesunde Sportpferde sind sie kein Pflichtprogramm — aber sobald ein Pferd älter wird, Gelenkthemen entwickelt, oft transportiert wird oder aus einer Reha kommt, sind Welltex® Stallgamaschen von Back on Track eine sinnvolle Investition.
Entscheidend bleibt der korrekte Sitz, die richtige Tragedauer und die Beobachtung des eigenen Pferdes. Wenn die Beine morgens nach Welltex-Tragen klar weniger angelaufen sind als ohne — dann macht die Gamasche genau das, wofür sie gebaut wurde.
Stefan Schlachtenrodt ist Pferdefachwirt, KPA und DIPO-geprüfter Pferdephysiotherapeut. Mit Reitsport-NRW in Schwerte betreut er Reiter und Pferde aus dem gesamten Ruhrgebiet.